Und geht dann eine Tür weiter. Zum Chef. „Ich wollte mich nur kurz absichern, ob das so passt."
Der Chef, mitten im Tagesgeschäft, guter Mann, meint es nicht böse. Er sagt: „Machen wir lieber anders." Zwei Sätze, im Vorbeigehen. Die Entscheidung des Bereichsleiters ist damit vom Tisch.
Niemand hat etwas Falsches getan. Der Mitarbeiter wollte sichergehen. Der Chef wollte helfen. Und trotzdem hat in diesem Moment jeder im Betrieb dasselbe gelernt: Was der Bereichsleiter sagt, gilt erst, wenn der Chef genickt hat.
Ab da geht es schnell. Beim nächsten Mal fragt der Mitarbeiter gleich oben. Warum den Umweg nehmen, wenn am Ende ohnehin der Chef entscheidet? Der Titel steht weiter auf der Tür. Die Autorität sitzt woanders.
Das ist die eigentliche Falle bei der zweiten Führungsebene. Sie scheitert selten daran, dass die Falschen befördert werden. Sie scheitert daran, dass die Neuen den Kopf hinhalten dürfen, aber nicht entscheiden. Verantwortung ja, Handlungsspielraum nein. Das merkt ein Team schneller als jede Beförderung.
Und das Bittere ist: Es ist fast immer gut gemeint. Der Chef greift ein, weil er es besser weiß, schneller kann, das Risiko sieht. Jedes einzelne Eingreifen ließe sich begründen. Nur baut man so keine Führungskraft auf. Man baut sie ab, in kleinen, gut gemeinten Dosen.
Eine zweite Ebene entsteht nicht mit dem Titel. Sie entsteht in dem Moment, in dem der Chef eine Entscheidung stehen lässt, die er selbst anders getroffen hätte.
Kennst du den Moment, wo jemand deine Entscheidung nochmal „kurz absichern" geht?

