„Zweihundert Euro. Dafür geht er nach neun Jahren."

Der Geschäftsführer legt das Kündigungsschreiben auf den Tisch. Drei Zeilen, freundlich formuliert, kein Vorwurf drin. Spedition, 60 Leute. Durch die Glaswand sieht man die Disposition, vier Schreibtische, einer davon jetzt zum Monatsende leer.

Er blättert das Schreiben um, als stünde hinten noch was. Beim Abschied hat der Mann gesagt: „Ich weiß bis heute nicht, ob ich hier wirklich gut war."

Der Chef schaut mich an. „Und jetzt? Was mach ich damit?"

Er will sofort etwas tun. Eine Maßnahme, ein Gespräch, irgendwas mit Haken dran.

Ich frage stattdessen, wer die schwierigen Kunden hatte. Die mit den kurzfristigen Umplanungen, wo freitags um vier noch mal alles anders wird.

Er muss nicht überlegen. Der Mann, der geht. Seit neun Jahren.

Ob er ihm das mal gesagt hat? Da überlegt er dann doch. Nein, eigentlich nicht. Es lief ja.

An dieser Stelle sagt in solchen Gesprächen fast immer jemand, man müsse die Leute eben öfter mal loben. Das halte ich für zu einfach.

Lob ist eine Meinung, ein Maßstab eine Vereinbarung.
Auf eine Meinung kann sich niemand berufen.

Teuer war es trotzdem. Der Chef hat ihm nach der Kündigung noch dreihundert geboten, mehr als der andere. Der Mann ist gegangen.

Das war nicht falsch. Geld war das Einzige, was sich in eine Zahl fassen ließ. Eine zweite Zahl, an der er gesehen hätte, dass der Mann seit Jahren nicht weiß, wo er steht, gab es nicht.

Wenn du wissen willst, wie es bei dir aussieht, kostet das keine Maßnahme und keinen Workshop. Frag den, den du am wenigsten verlieren willst, woran er glaubt, dass du seine Arbeit misst.

Nicht ob er zufrieden ist, woran gemessen wird. Und dann halt die Pause aus, die danach kommt.

Was fehlt in den meisten Läden eher, die Rückmeldung oder der Maßstab, an dem man sie überhaupt festmachen könnte?